Kapitel 1


Ein seltsamer Geruch durchzog den Zellentrakt. Muster und gleichmäßige Form der Gummiwände signalisierten, dass dieser Bereich kaum genutzt wurde. Flackerndes Licht und Geräusche anderer Personen vervollständigten das Bild.
Bleich und mit nackten Füßen lag die junge Frau in der Ecke eines etwa neun Quadratmeter großen Raumes. Ihre Arme durch eine Zwangsjacke gesichert. Die glatten, dünnen und glänzend schwarzen Haare fielen ihr ins Gesicht. Sie trug eine kurze, ausgefranste Hose aus. Regungslos starrte sie mit einem Auge auf die Zellentür, während Haarsträhnen das andere vollständig bedeckten.
Ihre Zelle lag abseits, im Keller der Anstalt. Es herrschte ungewöhnliche Stille. Nur hin und wieder ertönten Schreie aus einem anderen Trakt. Weitere Insassen befanden sich im höher gelegenen Stockwerk. Qualvolle Laute suggerierten Pein, Folter, Schmerz und Wahnsinn, durchdrangen den Korridor und endeten als blecherner Hall. Doch sie blieb ungerührt, atmete ruhig und richtete den Blick unablässig zur Tür.
Das Geräusch gleichmäßiger Schritte bahnte sich seinen Weg in ihre Richtung. Kurzes Klacken hallte durch den Flur und die schmale Sichtluke im Türblatt wurde geöffnet. Zwei Augen starrten für einen Moment in die Zelle. Dann schloss sich das kleine Fenster wieder und knarrend öffnete sich die Tür.
Ein Mann im weißen Kittel und mit Mundschutz betrat zögerlich den Raum und verharrte einen Moment. Ihr Atem ging immer noch ruhig. Position und Haltung blieben unverändert, während sie ihn mit einem Auge anstarrte.
Wortlos zog der Eingetretene Papier und Stift aus einer Seitentasche. Dokumentierte, wobei er immer wieder einen Blick auf sie warf. Schließlich schob der Weißgekleidete seine Utensilien wieder in die Tasche und trat rückwärts zur Tür heraus, die er sogleich verschloss, um ein letztes Mal durch die Luke zu blicken. Unverändert lag sie dort. Mit auf ihn gerichtetem Blick.
Er trat vom Sichtfenster in den Korridor, legte den Mundschutz ab und ging einem ebenfalls weiß bekleideten Mann entgegen, der sich mit fragender Miene an ihn wandte.