Matts Stimme klang nun aufgebracht. »Nein! Aber die Polizei verständigen. Dieses Mädchen hat nicht
einmal gezittert – obwohl ihre Haut schon leicht blau wurde. Hat dann ein Zellengitter zerstört. Wie auch immer das funktionierte.«
Stephan fasste seinen Kollegen besänftigend an der Schulter.
»Beruhige dich bitte, Matt. Nun liegt sie seit Tagen in der Zelle. Rührt weder Essen noch Trinken an. Liegt dort in unveränderter Position und starrt zur Tür.«
Williams zuckte ratlos die Schultern. Stephan atmete unsicher aus.
»Wir können die junge Frau doch in diesem Zustand nicht gehen lassen. Irgendwie tut sie mir leid.«
»Mitleid ist definitiv keine Option.« Sein Kollege machte kehrt und entschwand raschen Schrittes im Korridor.
Es war inzwischen später Abend. Stephan holte aus dem Aufenthaltsraum ein paar Müsliriegel und ein Glas Wasser. Nachdenklich begab er sich auf den Weg in das Kellergeschoss. Vor seinem Zielort angekommen, beließ er den Mundschutz diesmal in der Seitentasche seines Kittels.
Mit metallischem Geräusch öffnete sich die Zellentür und ein eigenartiger Geruch wehte ihm entgegen. Noch immer lag die junge Frau dort in unveränderter Haltung und starrte ihn mit einem Auge an. Jenkins betrat langsam den Raum und setzte sich unmittelbar vor dem Eingang auf den Boden. Vorsichtig schob er ihr einen Riegel zu und flüsterte: »Du musst etwas essen.«
Es interessierte sie ganz offensichtlich nicht. Vielmehr schien ihr unbeweglicher Blick durch ihn hindurch zu sehen. Irgendwie eiskalt und ... musternd. Behutsam platzierte Stephan das Glas auf dem Boden, Aber auch das blieb unbeachtet. Während er wortlos im Schneidersitz verharrte, blieben seine Augen auf die seltsame Unbekannte gerichtet.
Nach geraumer Weile bewegte sie ihre Beine und erhob sich langsam zur sitzenden Position . Weiterhin starrte ihr Auge. Das andere blieb auch jetzt durch den Vorhang ihres tiefschwarzen, gänzlich glatten und außergewöhnlich feinen Haares verdeckt. Seufzend nahm Stephan das Glas auf und stellte es unmittelbar vor ihr Knie.